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Die Megamaschine als soziale Organisationsform

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Von Boris Forkel / Deep Green Resistance Deutschland

Am 10. Juli 1985 wurde die Rainbow Warrior, das Schiff der Umweltschutzorganisation Greenpeace, von Agenten des französischen Service Action versenkt.1

Die US-Armee hatte von den 1940ern bis in die 1960er Jahre hinein Atombombentests auf den Marshallinseln (Bikini-Atoll) durchgeführt. Was vorher ein Südseeparadies wie aus dem Bilderbuch war, war nun strahlenverseucht. Die Menschen litten unter Krankheiten, Krebs, es kam zu Fehlbildungen bei Neugeborenen. 1985 baten die Einwohner der Insel Rongelap Greenpeace um Hilfe. Die Rainbow Warrior kam und siedelte 300 Menschen auf die Insel Mejato um. Von Mejato aus sollte das Schiff nach einem kurzen Zwischenstopp in Neuseeland zum Moruroa-Atoll (französisch-Polynesien) aufbrechen, um dort gegen die Durchführung französischer Atomtests zu protestieren. Während die Rainbow Warrior im Hafen von Aukland, Neuseeland vor Anker lag, detonierten in der Nacht des 10. Juli zwei Bomben am Rumpf des Schiffes. Das Schiff sank, die Crew konnte sich retten, bis auf den Fotografen Fernando Pereira, der ertrank.2 Tragischerweise war er als einziger an Bord Vater zweier kleiner Kinder.

Die Ermittlungen der neuseeländischen Polizei führten zum französischen Geheimdienst. Unter wachsendem öffentlichen Druck gab die Regierung Mitterand schließlich nach und nach zu, den Anschlag durchgeführt zu haben. Die Verantwortlichen in der französischen Regierung wurden nie zur Rechenschaft gezogen. 1987 zahlte die französische Regierung unter starkem internationalen Druck acht Millionen US-Dollar Entschädigung an Greenpeace und mehr als sieben Millionen US-Dollar an die neuseeländische Regierung. Alle Beteiligten an der Operation blieben im Dienst der französischen Regierung, einige erhielten höchste militärische Auszeichnungen.

Im Jahr 1985 war ich sechs Jahre alt. Die Bilder der Rainbow Warrior waren damals in allen Medien. Seither waren die Greenpeace-Aktivisten meine Helden. Ich schaute mir die Magazine an, die mich zutiefst schockierten mit Bildern von Babyrobben, die mit Knüppeln erschlagen wurden, brennenden Regenwäldern und toten Walen, die in einem Meer voller Blut schwammen.

©Andrija Ilic/Reuters

Wenn man die Perspektive eines sieben- oder acht jährigen Kindes einnimmt, sieht man um sich herum nur Ärsche und hört die Stimmen der Erwachsenen von oben. In meiner Erinnerung redeten die Erwachsenen meistens über Arbeit. Wie war’s bei der Arbeit? Geht so… muss morgen wieder arbeiten; und, gehste arbeiten? Ja. Hast ne neue Arbeit? Und, wie isses so? Ganz okay…
Arbeiten, bei der Arbeit, in der Arbeit, für die Arbeit… Arbeit, Arbeit, Arbeit…
Ich empfand eine starke Diskrepanz, einen Widerspruch zwischen den Gesprächen der Erwachsenen und den Bildern, die aus den Greenpeace-Magazinen in meinem kindlichen Kopf kleben geblieben waren.

Sie wollten immer von mir wissen, „was ich denn werden will“. Die Frage ist für ein sechs – oder siebenjähriges Kind schwer zu verstehen. Was soll ich denn schon werden? Ein Mensch bin ich schon und mehr kann ich eigentlich auch nicht werden. Ein erwachsener Mensch, irgendwann. Aber ein so gestresster, sorgenvoller und von der Arbeit gleichermaßen abhängiger und geplagter Mensch, wie die Erwachsenen um mich herum, wollte ich auf keinen Fall werden.
Warum ist ihnen die Arbeit so wichtig, wenn gleichzeitig so füchterliche Dinge passieren? Später, als ich besser verstand, was sie mit dieser Frage wollten, antwortete ich immer, dass ich Naturschützer werden wolle. Mir war das wichtig. Als ich schreiben konnte, druckte ich mir Visitenkarten, auf denen Naturschützer als Beruf stand.

Es entstanden damals Fragen, die sich über all die Jahre nicht wesentlich geändert haben. Warum wollen diese Menschen unbedingt Wale töten? Und Robben? Und warum wollen sie unbedingt diesen Regenwald zerstören? Warum sind die Leute von Greenpeace offenbar die einzigen, die sich für das Töten interessieren und versuchen, es zu verhindern?

Ich stellte diese Fragen als Kind sicherlich, hörte aber bald wieder damit auf, denn ich bekam nie eine echte Antwort. „Das verstehst Du noch nicht, bist noch zu klein…“ Sie wichen solchen Fragen aus. Sie waren ihnen unangenehm. Und sie hatten ebensowenig Antworten darauf. Als Kind neigt man zu denken, dass die Erwachsenen besonders klug sind oder mehr wissen als Kinder. Leider ist das eine Täuschung. Die meisten Erwachsenen sind ziemlich dumm und indroktriniert und kennen keine Antworten auf die wirklich wichtigen Fragen.

Die Frage bleibt die gleiche. Warum reden die Erwachsenen immer nur über Arbeit, während ein fürchterliches Abschlachten im Gange ist? Heute würde ich die Fragen meiner Kindheit auf eine einzige eindampfen:
Warum zerstört unsere Kultur den Planeten?

Als ich meine Großmutter fragte, warum all die Indianer sterben mussten, antwortete sie, dass dies Gottes Wille gewesen sei. Die Indianer hätten sonst sicherlich selbst bald große Schiffe gebaut, wären nach Europa gesegelt und hätten uns ausgerottet, sagte sie. Wie gut, dass Gott mit uns ist…
Dank solcher Antworten lernte ich mit der Zeit, meine Fragen zu vergessen und die Gefühle, die ja eigentlich einer ganz normalen Empathie für unsere Mitgeschöpfe entspringen, zu verdrängen.

Ich ging meinen Weg durch die Mainstreamkultur mit schweren Depressionen. Hielt mich an Büchern fest, hangelte mich durch Träume, Nachdenken und Hinterfragen langsam und qualvoll aus ihr heraus. Den Autoren dieser Bücher werde ich auf ewig dankbar sein. Schließlich fand ich mich wieder mit der Erkenntnis, dass die Entscheidung, die ich als sechsjähriges Kind getroffen hatte, immer noch richtig und gültig war.
In einer Kultur, die ihre Mitgeschöpfe derartig misshandelt, ist Widerstand ein moralischer Imperativ. Das hatte ich als Kind bereits begriffen. Es ist auch nicht schwierig zu begreifen. Man muss nur hinschauen. Dummerweise haben wir eine ganze Kultur darauf aufgebaut, nicht hinzuschauen.

Es hat mit der sozialen Organisationsform dieser Kultur zu tun.
Welche ist wohl die destruktivste Erfindung, die Menschen jemals gemacht haben? Das Schießpulver ist sicherlich eine sehr destruktive Erfindung, besonders wenn man es, wie wir es tun, für Schusswaffen nutzt. Es ist symptomatisch für unsere Kultur, dass alle technologischen Innovationen für destruktive Zwecke, meist Waffentechnologie, genutzt werden.
Ohne Schusswaffen hätte man Tiere wie Bären, Bisons oder den sibirischen Tiger kaum an den Rand der Ausrottung bringen können. Ohne Schusswaffen wäre auch die Eroberung Amerikas und der Genozid an indigenen Völkern weltweit deutlich schwieriger gewesen. Schusswaffen stehen daher in meiner Liste auf Platz zwei der destruktivsten Erfindungen.

Um Platz drei streiten sich der Pflug und der Verbrennungsmotor. Während das Rad, welches ja landläufig als eine der wichtigsten Erfindungen genannt wird, an sich nicht unbedingt besonders destruktiv ist, ist das Auto, mit der ganzen dazugehörigen Infrastruktur wie dem Straßennetz, eine der destruktivsten Erfindungen, die man sich erdenken kann.
Es ist eine extreme Energieverschwendung, eine Maschine von etwa zwei Tonnen an Gewicht zu bewegen, die in der Regel nur einen Menschen transportiert. Die Autokultur ist die energieintensivste Verkehrsform, die je existiert hat. Diese unglaubliche Dekadenz können wir uns nur leisten, weil wir gelernt haben, Erdöl als dichteste Energiequelle für den Einsatz in Verbrennungsmotoren zu nutzen.
Mal ganz abgesehen von der Energieverschwendung ist es auch nicht besonders intelligent, seine eigene Atemluft zu vergiften. Insbesondere ist es ein Verbrechen an den kommenden Generationen.

Martin Prechtel sagt:

„Technologische Erfindungen nehmen von der Erde aber geben nichts zurück. Denk an Automobile. Sie wurden gewissermaßen über einen bestimmten Zeitraum hinweg erträumt, von verschiedenen Menschen, die ihre Träume miteinander austauschten – oder, wenn du es bevorzugst, ihre Studien und Versuche. Doch wurde über den ganzen Weg hinweg sehr wenig oder garnichts der hungrigen, unsichtbaren Göttlichkeit zurückgegeben, welche diesen Menschen die Fähigkeit gab, diese Autos zu erfinden. In einer gesunden Kultur wäre dies die Aufgabe der Shamanen, weil mit jeder Erfindung eine spirituelle Schuld einhergeht, die bezahlt werden muss, entweder rituell, oder ansonsten mit Krieg, Leid und Depression.“

„Technological inventions take from the earth but give nothing in return. Look at automobiles. They were, in a sense, dreamed up over a period of time, with different people adding on to each other’s dreams — or, if you prefer, adding on to each other’s studies and trials. But all along the way, very little, if anything, was given back to the hungry, invisible divinity that gave people the ability to invent those cars. Now, in a healthy culture, that’s where the shamans would come in, because with every invention comes a spiritual debt that must be paid, either ritually, or else taken out of us in warfare, grief, or depression.“3

Der Pflug steht für Monokulturlandwirtschaft. Ich bezeichne Monokulturlandwirtschaft gerne als Blaupause des Kolonialismus. Sie nehmen sich ein Stück Land, vertreiben oder töten annähernd alle eingeborenen Lebewesen, Tiere, Menschen und Pflanzen, und ersetzen sie durch eine Monokultur aus völlig gleichgeschalteten Individuen.

Die destruktivste Erfindung, die Menschen jemals gemacht haben, ist keine technische Innovation, sondern eine Form der sozialen Organisation (die allerdings sehr technologisch ist).
Es ist die Megamaschine; eine Form der sozialen Organisation, die es ermöglicht, dass hunderttausende Menschen den größten Teil ihrer Lebenszeit aufwenden, um den Zielen einer Firma wie Daimler-Benz, BASF, Bayer etc. zu dienen.
Hunderttausende von Mitarbeitern arbeiten strikt organisiert und völlig gleichgeschaltet in einer hierarchischen Organisationsform. Häufig gibt es eine starke Identifikation der Mitarbeiter mit ihrem Unternehmen. Dies ist die moderne Variante dessen, was schon den alten Ägyptern den Bau der gigantischen Symbole ihrer Zivilisation ermöglichte. Schon im alten Ägypten bildeten die Sklaven eine organisierte Kaste, die durch Streiks bessere Bedingungen erkämpften. Die Menschen hatten bereits damals ihr Schicksal als Arbeiter, als Teil einer Maschine akzeptiert und versuchten, innerhalb dieser Maschine für geringfügig bessere Bedingungen zu sorgen.

Derrick Jensen behandelt das Thema des dismembering und wie Unterdrücker ihre Opfer dazu bringen, sich mit ihnen zu identifizieren in diesem Artikel:
http://deepgreenresistance.de/2017/12/22/wie-beginnen-wir-die-reise-zurueck-in-das-erinnern/

Letztendlich ist die Sklaverei genauso die Wiege der Zivilisation wie die Landwirtschaft. Beide hängen zusammen, denn Monokulturlandwirtschaft ist nur mit Sklaven machbar. Sklaven müssen zunächst in Gefangenschaft gehalten und zur Arbeit gezwungen werden. Freiwillig ist niemand ein Sklave; ursprünglich zumindest nicht. Über Jahrtausende Zivilisation hat unsere Kultur diese Maschine perfektioniert.
Mit einer permanenten Mischung aus organisierter Gewalt, Lügen, Propaganda und mächtigen Institutionen wie Staat, Kirche und Schule hat man die ursprünglichen Formen der sozialen Organisation zerschlagen und Klassen von völlig vereinzelten Menschen gezüchtet, die sich selbst als Arbeiter identifizieren und nicht mehr wehren. Es sind die glücklichen Sklaven, die der Maschine dienen. Ohne sie wären keine Fabriken vorstellbar, keine industrielle Landwirtschaft, keine Maschinen, keine industrielle Produktion. Nichts von diesem wäre möglich ohne die Innovation der maschinellen sozialen Organisation, die in den frühen sogenannten Hochkulturen als massive Sklaverei begann. Die Bevölkerung im alten Griechenland bestand zu etwa 80 % aus Sklaven.

Die industrielle Zivilisation ist nun die extremste und auch mit großem Abstand destruktivste Form, denn sie kombiniert die soziale Organisation der Megamaschine mit tatsächlichen Maschinen. Eigentlich sind diese beiden schon verschmolzen. Die Menschen, die als Teile der Megamaschine funktionieren, bedienen selbst ständig Maschinen. Sie identifizieren sie mehr mit ihrem Auto, ihrem Computer und ihrem Smartphone als mit anderen Lebewesen.
So kann es kommen, dass den Menschen dieser Kultur das Aussterben unserer Mitgeschöpfe egal ist. Das Aussterben der Insekten und Singvögel ruft keinen Aufschrei in der Bevölkerung hervor, ganz anders als etwa Fahrverbote aufgrund steigender Luftverschmutzung. Die Teile der Maschine können sich ein Leben ohne Autos und andere Maschinen nicht vorstellen; die Maschine gehört zu ihnen und sie sind ihr gegenüber absolut loyal.
Leider sind weder die Maschine noch ihre Teile intelligent oder kennen eine Moral. Es ist nicht intelligent, seine eigene Atemluft, sein Wasser und seine Erde zu vergiften. Insbesondere ist es ein Verbrechen an den kommenden Generationen.

Menschen, die streiken, für bessere Arbeitsbedingungen kämpfen oder gegen den Abbau von Arbeitsplätzen demonstrieren, sind bereits perfekt geschliffene Zahnräder der Maschine. Es sind Menschen, die sich als Arbeiterklasse, als Teil der Maschine identifizieren. Sie wurden als Teil einer Maschine geboren und erzogen; Erwerbsarbeit ist in unserer Kultur schließlich ein ganz wesentlicher Teil der Identität des Individuums.
Teil der Maschine zu sein ist alles, was sie kennen. Die Grenzen ihrer Wahrnehmung sind schon sehr weit eingeschränkt. Sie kennen keine echte Freiheit. Als Teil einer Maschine braucht man nicht zu denken, sondern muss funktionieren.
Das ist unsere eigentliche industrielle Leitkultur.

Wenn Menschen als Teile einer Maschine existieren, verlernen sie, Verantwortung für ihr eigenes Leben und das Leben ihrer Kinder zu tragen. Deswegen leisten nur so wenige Menschen Widerstand gegen das Abschlachten unserer Mitgeschöpfe und die Zerstörung unseres Planeten.
Die Verantwortung für die Maschine tragen ihre Anführer. Es ist ein strikt hierarchisches System. Nur so kann man Institutionen schaffen wie den Polizeiapparat, die Agentur für Arbeit, die Jobcenter oder große Konzerne, in denen Menschen einfach Befehle nach Schema ausführen, ohne jegliche Verantwortung für ihr Tun zu übernehmen. Die Verantwortung liegt immer oberhalb in der Hierarchie.
Es gibt keine Menschlichkeit in einer Maschine.

Eine Maschine ist nicht empathisch. Eine Maschine funktioniert so, wie sie gebaut wurde. Man nennt das auch strukturelle Gewalt oder, wie Samuel Huntington organisierte Gewalt. „Der Westen eroberte die Welt nicht durch die Überlegenheit seiner Ideen oder Werte oder seiner Religion (zu der sich nur wenige Angehörige anderer Kulturen bekehrten), sondern vielmehr durch seine Überlegenheit bei der Anwendung von organisierter Gewalt. Oftmals vergessen Westler diese Tatsache; Nichtwestler vergessen sie niemals.“4

Diese soziale Organisationsform hat es Europäern ermöglicht, annähernd die ganze Welt zu erobern. Die Maschine hat es ermöglicht, fast das gesamte Leben auf dem amerikanischen Kontinent brutal auszurotten. Propaganda und die Rationalisierungen wie die Doktrin des Manifest Destiny dienen dabei als Bedienungsanleitungen.

Es ist eigentlich unnötig zu erwähnen, dass das dritte Reich mit der industriell gesteuerten Massenvernichtung unerwünschter Menschen genau nach den Prinzipien dieser Megamaschine funktionierte.
Natürlich wusste die IG Farben, wofür ihre Produkte eingesetzt wurden.

Für die wenigen Menschen, die noch in der Lage sind zu denken, ist unsere Kultur längst ein dystopischer Alptraum. Für die indoktrinierten ist dieser Alptraum die blanke Realität.

„Wenn ein Geschöpf lernt, die Gefangenschaft oder die Sklaverei komplett zu akzeptieren, dann kann es die Schmerzen verdrängen. Doch wenn man frei sein will, muß man den Schmerzen ins Auge sehen; man muß den ganzen Terror erleiden und durchstehen.“
Jack Forbes

Wenn man aus diesem Alptraum nicht herauskommt, weil man denkt, es müsste so sein, ist man in einem lebenslangen Trip gefangen. Es ist ein Trip zu glauben, man müsse acht Stunden oder mehr seiner Lebenszeit täglich verkaufen, um zu arbeiten und Dinge zu tun, die man lieber nicht tun würde.
Institutionalisierte Religion funktioniert als eine der Betriebsanleitungen der Megamaschine. Das Christentum hat einen großen Anteil an der Indoktrinierung, indem es uns Jahrtausende lang gelehrt hat, dass das Leben hart und entbehrungsreich sei und die Welt ein Jammertal.
Später haben die evangelikalen Christen die Arbeitsmoral zur religiösen Doktrin erhoben und damit die Grundlagen für die kapitalistische Ideologie geschaffen.5

Die Belohnung kommt erst nach dem Tod, wenn wir im Leben immer brav und folgsam waren. Die Religion hat sich auf diese Weise als eines der schärfsten Instrumente der Unterdrückung erwiesen. Durch allmächtige Glaubenssysteme wie diese müssen Menschen nicht mehr durch nackte Gewalt unterdrückt werden; durch den Glauben unterdrücken sie sich selbst, unterdrücken andere und ihre eigenen Kinder. Genauso wie heute Eltern ihre Kinder nach der Religion des Kapitalismus und im Glauben an den allmächtigen Arbeitsmarkt erziehen, damit sie in dieser Kultur noch eine Chance haben.

Unsere Kultur basiert auf institutionalisierten Lügen, die als Barrieren gegen die Wahrheit aufgestellt werden. Eine der offensichtlichsten und daher am härtesten propagierten Lügen ist, dass wir die industrielle Zivilisation haben können und einen lebendigen Planeten.
Die nackte Wahrheit ist, dass wir uns entscheiden müssen. Wie die Dinge stehen, haben sich die meisten Menschen unserer Kultur für die Megamaschine und gegen einen lebendigen Planeten entschieden.

Menschen sind letztendlich nichts weiter als Tiere. Die wilden Rudel von Wölfen wurden als Feinde der Zivilisation allerorts ausgerottet; heute gibt es nur noch staatlich domestizierte Hunde.
Diese Hunde kann man sie zu den liebevollsten, fürsorglichsten Wesen erziehen, die sich wie Blindenhunde mit hoher sozialer Kompetenz um hilfsbedürftige Menschen kümmern.
Aber man kann sie auch zu den schrecklichsten Monstern erziehen, wie die spanischen Konquistadoren mit ihren Kampfhunden, die mit geschlachteten Indianerkindern gefüttert wurden.

Gewalt war schon immer das effektivste Werkzeug unserer Zivilisation.

  1. http://www.greenpeace.de/themen/uber-uns/rainbow-warrior-i-die-legende http://www.greenpeace.de/themen/ueber-uns/der-anschlag-auf-die-rainbow-warrior
  2. „Pereira starb, weil der französische Geheimdienst ein Schiff mit Menschen versenkt hatte, die sich für den Schutz der Umwelt einsetzten“ (Katja Iken im Spiegel, http://www.spiegel.de/einestages/rainbow-warrior-anschlag-auf-greenpeace-schiff-1985-a-1042273.html).
  3. http://www.derrickjensen.org/2001/04/saving-indigenous-soul-interview-martin-prechtel/
  4. Samuel P. Huntington (1996): Kampf der Kulturen, S. 69f
  5. Max Weber: Die protestantische Ethik und der ‚Geist‘ des Kapitalismus“, 1904/05; überarbeitet 1920

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